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Sport, Philosophie und Kunst: Geschichte des Kletterns

Junge Athleten und Athletinnen, die im neuen Kletterzentrum Innsbruck anspruchsvolle Routen klettern: Das war der Rahmen der Jugend- und Junioren-WM im Sportklettern, die vom 30.08.2017 bis zum 10.09.2017 stattfand. Zum ersten Mal bei einem Kletterevent dieser Größe maßen sich dabei die Athleten und Athletinnen nicht nur in den Einzeldisziplinen Bouldern, Lead und Speed sondern auch in der Kombination dieser drei. Der Anlass dafür liegt im 2016 gefassten Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees, dass Sportklettern Teil von Olympia wird, wobei in diesem Kontext ebenfalls auf das Kombinationsformat gesetzt wird. Diese aktuellen Ereignisse und Veränderungen sind ein guter Anlass, die Entwicklung des Klettersports von seinen Anfängen bis heute in den Blick zu nehmen und dabei die wichtigsten Stationen nachzuzeichnen.

 

Die Geschichte des Kletterns kann je nach Betrachter oder Betrachterin an unterschiedlichen Stellen einsetzen. Diese beginnt mit dem Bergsteigen, einem bekannten italienischen Dichter und einem Rätsel: Francesco Petrarca schrieb in einem Brief an den Augustinermönch Francesco Dionigi von Borgo San Sepolcro, dass er zusammen mit seinem Bruder und einigen Begleitern im Jahr 1336 den 1.912 Meter hohen Mont Ventoux in der Provence bestiegen hätte. Ziel und Zweck dieser Unternehmung sei einzig und allein gewesen, den Gipfel zu besteigen und somit das Bergsteigen selbst, eine Neuheit in jener Zeit. Dieses Ereignis gilt deshalb auch oft als Geburtsstunde des Alpinismus. Nun kann, was die genauen Hintergründe betrifft, in der Forschung aber einiges nicht restlos geklärt werden: So ist beispielsweise fraglich, wann Petrarca diesen Brief geschrieben hat und wie authentisch seine Schilderungen sind. Noch schwieriger nachzuweisen ist, ob er der Erste war, dem es bei der Besteigung eines Gipfels um das Bergsteigen an sich ging. Fest steht, dass Petrarcas Brief zu den eindrücklichsten und interessantesten Schilderungen zählt, wenn es um die Beschreibung der Faszination geht, die Berge ausüben.

Zu Petrarcas Zeit wurde noch nicht klar zwischen Klettern und Bergsteigen unterschieden und es sollte noch einige Zeit dauern, bis sich dies ändern würde.

Die Sächsische Schweiz: Eine zentrale Station in der Entwicklung des Sportkletterns


Es folgt ein großer Sprung in das Jahr 1864: In der Sächsischen Schweiz kletterten Gustav Tröger, August Hering, Ernst Fischer, Johannes Wähnert und Heinrich Frenzel, fünf Mitglieder einer Turngruppe aus Bad Schandau, auf einen imposanten, freistehenden Felsen – den Falkenstein im Elbsandsteingebirge. Dies geschah zum ersten Mal nachweislich aus rein sportlichen Gründen, aber noch mit technischen Hilfsmitteln – beispielsweise Leitern – die der Fortbewegung dienten. Diese wurden zehn Jahre später, nämlich 1874, bei der Besteigung des ebenfalls im Elbsandsteingebirge gelegenen Mönchsteins durch Otto Ewald Ufer und Hermann Johannes Frick nicht mehr verwendet. Sie setzten Hilfsmittel wie das Seil nur noch ein, um sich zu sichern: Das Freiklettern war geboren und setzte sich daraufhin international durch. Es hat bis heute seine Gültigkeit, auch in Form der von Dr. Paul Preuß geforderten und von Dr. Rudolf Fehrmann im Jahr 1913 formulierten Sächsischen Kletterregeln, die sich für technische Hilfsmittel zur Sicherung, nicht aber zur Fortbewegung aussprechen. Das technische Klettern (mit Hilfsmitteln) entwickelte sich ebenfalls weiter und wird bis heute vor allem dann angewandt, wenn das freie Klettern nicht oder nur durch sehr großen Aufwand möglich wäre. Dies ist beispielsweise bei Big-Wall-Routen der Fall, wo meist sowohl technisch als auch frei geklettert wird.

Um die Kletterleistungen besser einschätzen und vergleichen zu können, definierte Dr. Oscar Schuster bereits 1893 die heute so zentrale Schwierigkeitsskala. Damals hatte sie noch drei Stufen. Im Laufe der Zeit wurde diese Skala nach und nach erweitert: Heute kennt der Klettersport deutlich mehr Schwierigkeitsgrade: 2017 wurde die von Adam Ondra gekletterte Route Silence in Norwegen mit 9c bewertet, dem zwölften Schwierigkeitsgrad.


Erste Kletterwettbewerbe im 20. Jahrhundert


Im 20. Jahrhundert wird der Klettersport immer populärer. Durch die Emigration vorwiegend deutscher Kletterer nach Amerika in den 1930er Jahren, gelangten die Sächsischen Kletterregeln in die Vereinigten Staaten. Dort wurden sie in den folgenden Jahrzehnten teilweise verändert und ausgebaut. Kalifornien war dabei von zentraler Bedeutung. Wichtig für die weitere Entwicklung des Freikletterns in Europa und der damit verbundenen Philosophie ist der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner, der sich klar für diese Form des Kletterns ausspricht. Das Klettern wird dabei auch zu einer Kunst und zu einem Lebensstil, der unter anderem für Freiheit und Unmittelbarkeit steht. Ein bekannter Vertreter dieser Philosophie war Wolfgang Güllich. Die Breitenwirkung des Klettersports nahm beständig zu und eine wichtige Station auf diesem Weg war das legendäre erste internationale Kletterfestival in Konstein 1981, das auch als Woodstock des deutschen Kletterns bezeichnet wird. Dort trafen sich die Besten der internationalen Kletterszene und widmeten sich den schwierigsten Routen im Frankenjura.

Auch die nach und nach im 20. Jahrhundert entstehenden Kletterwettkämpfe führten zu einer weiteren Verbreitung dieses Sports. Auch wenn das Sportklettern seinen Ursprung bereits im 19. Jahrhundert hat, fanden die ersten internationalen Wettkämpfe erst in den 1980er Jahren vorwiegend in Bardonecchia und Arco in Norditalien statt: Als allererster Kletterwettbewerb im heutigen Sinne gilt dabei Sport Roccia in Bardonecchia im Jahr 1985. Damals wurde noch auf Felsen in der Natur geklettert. Bald stieg man aber auf künstliche Kletterwände um und dies bedeutete eine große Veränderung, wie die österreichische Kletterin Barbara Bacher in einem Interview im Zuge der Jugend- und Junioren-WM im Sportklettern in Innsbruck betont: „Ich bin mit dem Klettern aufgewachsen. Wir waren noch sehr viel draußen, Hallen hat es im Gegensatz zu jetzt kaum gegeben. Heute ist es einfacher zu trainieren und die Entwicklung geht in die Richtung, dass sich das Wettkampfklettern immer mehr und mehr nach Innen verlagert. Das sind in gewisser Weise zwei Welten: Da gibt es diejenigen, die draußen klettern und diejenigen, die drinnen Wettkämpfe klettern, wobei ich denke, dass sich beides gut ergänzt.“

Die erste Weltmeisterschaft im Sportklettern fand 1991 in Frankfurt am Main statt: Die Goldmedaille holte der Franzose Francois Legrand, der auch der erste Weltcup-Gesamtsieger wurde. Unter den Kletter-Weltcups ist der Lead-Weltcup der älteste: Er fand das erste Mal 1991 statt. 1998 folgten dann die jeweils ersten Boulder- und Speed-Weltcups. Für die Austragung der Wettkämpfe war anfangs die Union Internationale des Associations d' Alpinisme (UIAA) zuständig. Um dem Sportklettern mehr Eigenständigkeit zu geben, wurde 1998 der International Council for Competition Climbing (ICC) gegründet, eine Unterorganisation der UIAA. 2007 löste die International Federation of Sport Climbing (IFSC) den ICC ab.

Die neuesten Entwicklungen im Klettersport

2020 werden in Tokio das erste Mal Kletterer und Kletterinnen an Olympischen Spielen teilnehmen. Dies ist wohl eine der wichtigsten Neuerungen und Herausforderungen im Klettersport der letzten Jahre, wie auch Barbara Bacher bestätigt. Um sich auf dieses Event vorzubereiten, findet seit Kurzem die Kombination aus Bouldern, Lead und Speed bei Kletterwettkämpfen ihre Anwendung, ein Format, das auch bei Olympia zum Einsatz kommen wird. Vom 30.08.2017 bis zum 10.09.2017 fand in Innsbruck die Jugend- und Junioren-WM im Sportklettern statt und auch hier maßen sich die besten jungen Athleten und Athletinnen der jeweiligen Einzeldisziplinen in der Kombination – das erste Mal bei einem Event dieser Größenordnung.

Die Geschichte des Kletterns zeigt, wie stark sich dieser Sport immer wieder verändert hat, ohne dabei aber seine Wurzeln zu vergessen oder zu verlieren: Das Klettern in der Natur und die damit verbundene Unabhängigkeit. Das Klettern draußen und das Hallenklettern gehören für Barbara Bacher zusammen: „Für gute Athleten und Athletinnen gehört es dazu, dass sie auch draußen klettern, weil sie dort ihren Kletterweg bewusst suchen müssen und sie ihn nicht gleich sehen. Die Kletterhallen haben einiges erleichtert, auch für das Training, weil ganz andere Schwierigkeiten möglich sind. Die Entwicklung ist interessant, wenn man bedenkt, wie Klettern am Anfang war und welchen Aufschwung es dann erlebt hat.“

Neben der sportlichen Bedeutung ist das Klettern auch eine Lebenseinstellung, eine Philosophie und fördert unter anderem Teamfähigkeit, Vertrauen und Konzentration. So finden sich heute beispielsweise auch in manchen Turnhallen Kletterwände, an denen Kinder und Jugendliche neben ihren sportlichen Fähigkeiten auch oben genannte Kompetenzen trainieren können.

Mit Olympia hat das Klettern zwar eine neue und wichtige Station erreicht, es wird sich aber auch in Zukunft weiter verändern. Die jungen Kletterer und Kletterinnen, deren Können wir in Innsbruck bewundern durften, sind es, die diese Zukunft des Klettersports mitgestalten werden.

von Angelika Mitterhofer

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Thank you for the many great problems at the 2017 YWCH, Jacky and Team! Jacky Godoffe talked to Innsbruck 2018 - IFSC...
28.09.2017, 09:50

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